Nein, keine Angst, ich werde mich nicht in den langen Reigen derjenigen einreihen, die DL rezensiert haben. Was sollte ich auch noch groß schreiben, das nicht andere, wesentlich begabtere Rezensenten schon vor zwanzig Jahren geschrieben haben?
Chronicles und
Legends sind phantastisch, die Charaktere (insbesondere Publikumsliebling Raistlin) lebendig und überzeugend, der Humor unschlagbar, die Dramatik mitreißend und zu Tränen rührend. Warum also überhaupt ein Blogeintrag zu dem Thema? Eigentlich ganz unspektakuläre Antwort: Mir fiel kürzlich die
Kingpriest Trilogy wieder in die Hände, und beim Querlesen wurde mir einmal mehr bewusst, wie klasse ich sie und ihre Einbindung in die DL-Zeitlinie fand (und finde). Wenn die Bewertungen bei Amazon allerdings irgendeine Art von Stimmungsspiegel sind, dann stehen die DL-Fans der Trilogie eher lauwarm gegenüber. Was mich verwundert, denn eigentlich ist alles drin, was das Herz begehrt, und sogar zur Abwechslung mal richtig gut recherchiert und auf
Chronicles und
Legends abgestimmt. Je nun, irgendwen stört ja immer irgendwas. Aber bedenkt man, daß ganz fürchterliche DL-Sachen tolle Kritiken erhalten, zweifle ich eher am Geschmack der Leser…
Wie ich DL-Fan wurde, ist schon eine Geschichte für sich. Ein Kumpel schwärmte immer in den höchsten Tönen davon, und als ich mal nichts anderes zu lesen hatte, marschierte ich ins Antiquariat und holte mir das einzige Buch, das sie da hatten – wie sich herausstellte, ein Teil von Dragons of Winter Night, das in der Übersetzung in die berüchtigte Goldmann-Romanschnetzelmaschine geraten war = aus einem englischen Roman mach drei deutsche. Trotz der reichlich klischeehaften Darstellung einiger Charaktere sagte es mir zu (ja, auch ich liebte Raistlin auf Anhieb), also war ich am nächsten Tag wieder im Antiquariat, um zu erfragen, ob vielleicht auch englische Romane auf Lager wären. Tja, und das war der Punkt, wo der Antiquar im Keller verschwand und mit der kompletten Chronicles-, Legends- und Anthologiensammlung zurückkehrte…
Chronicles hat mir wunderbare Stunden beschert; am Ende von Dragons of Spring Dawning heulte ich Rotz und Wasser. Dagegen kamen Legends als Kaltwasserguß. Vom Stil her ist die zweite Trilogie erheblich besser als Chronicles, und einige der besten Szenen der gesamten DL-Reihe sind darin zu finden, aber mir fielen sofort hunderttausend Widersprüche zu Chronicles auf, diese bekloppte Klerikerin und Dalamar gingen mir einfach nur auf die Nerven (was hoffte ich, daß sie ins Gras beißen würden!), die halbgare Liebesgeschichte kam mir extrem konstruiert vor, über die Kriegshandlung in der Gegenwart breiten wir lieber den Mantel des Schweigens, und Lord Soth… lassen wir das.
Trotzdem war ich angefixt. Die Anthologien nahm man mit; das übliche Mischmasch aus guten bis grauenhaft schlechten Geschichten. Alle übrigen frühen DL-Sachen waren fällig, überzeugten aber nicht. Einzige Ausnahmen: Brothers Majere, einer der wenigen nicht vom Dream Team Weis/Hickman geschriebenen Romane, in der die Darstellung der Zwillinge bis aufs Haar genau stimmt, und The Legend of Huma (leider zu kurz und zuviel Kaz – wie wäre es mit einer Neufassung als Trilogie?).
ClarissaS - 28. Mrz, 06:51