Ausguck
Freitag, 20. Juni 2008
Mittwoch, 18. Juni 2008
Loving the Alien
Ich weiß, ich kann exzessiv sein, aber wenn mich etwas interessiert, dann kenne ich keine Gnade. In dem Sinne habe ich The Man Who Fell To Earth geordert, aus dem UK, nachdem die deutsche DVD bei Amazon so verrissen wurde (Vergleich folgt). Nun ist es ja immer so eine Sache, wenn sich Musiker als Schauspieler versuchen - kann gutgehen, wie Mr. Roberts so nett andeutet, kann auch unterirdisch werden. (Hey, ich fand Sting in The Bride okay, auch wenn die Sympathien klar woanders lagen.) David Bowies thespian talents halten sich in Grenzen, sind aber immerhin vorhanden, und mehr verlangt ein stilisierter Film wie The Man Who Fell To Earth von seinem Hauptdarsteller gar nicht. Das Stichwort lautet vielmehr: Performance/charisma vs. acting. Klingt verwirrend? Nicht, wenn man drüber nachdenkt. :-)
So stilisiert ist der Film, um genau zu sein, daß ich ihn nicht wirklich verstanden habe. Glücklicherweise enthalten die Specials ein Interview mit Drehbuchschreiber Paul Mayersberg, das mir doch um einiges weitergeholfen hat.
Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt und für das SciFi-verwöhnte Publikum längst nichts Neues mehr: Ein Außerirdischer macht eine Bruchlandung auf der Erde, wo er dank seines überragenden Intellekts ein Wirtschaftsimperium aufbaut, nur um von den Begleiterscheinungen seines Erfolges zerstört zu werden. Ziggy lässt grüßen, aber damit hört die Ähnlichkeit auch schon auf. „Thomas Newton“s Ziel ist nicht, ein Star zu werden, sondern die nötigen Ressourcen für einen Energieumwandler und einen Transport zurück zu seinem Heimatplaneten zusammenzubekommen, der an Trockenheit stirbt. Wasser ist daher das zentrale Symbol des Films, das in jeder Szene vorhanden ist, sei es zu Beginn in den friedlichen Momenten am Fluß oder mit Fortschreiten der Handlung in pervertierter Form als Alkohol, dem Newton zunehmend verfällt. (Ziemlich bitter, wenn man bedenkt, dass Bowie zu der Zeit in der Hochphase seiner Kokainabhängigkeit steckte.) Unter anderem ist diese Tatsache eines der unterliegenden Themen des Films: Newton kommt zur Erde, um Wasser zu finden, und durch seine Sucht zu dieser falschen Form des Wassers (oder generell durch seine Verführung durch irdische Genüsse) ist er außerstande, die Erde wieder zu verlassen.
Dabei ist Newton ein erschreckend wehrloser Charakter, der niemanden bedroht und nicht in der Lage ist, jemanden zu verletzen. Wie Mayersberg anmerkt: „He has no evil in him.“ Aber gerade diese Tatsache wird ihm zum Verhängnis, da die Erdlinge ihn nicht verstehen können – und was sie nicht verstehen, müssen sie zerstören, wie die Geschichte leider immer wieder beweist. Ironischerweise ist der Grund, weswegen sich seine Gegner gegen ihn verschwören, ihn kidnappen, über Jahre gefangen halten und foltern, nicht der, daß sie ihn für einen Alien halten (im Gegenteil, je mehr er „gesteht“, desto verrückter ist er in ihren Augen), sondern daß er ihre Geschäftsinteressen bedroht, ohne daß sie aufgrund seines zurückgezogenen und somit geheimnisvollen Lebens seine Motive erkennen können. Newtons einziges Interesse dagegen ist, zu überleben und zu seiner Familie zurückzukehren; diese jedoch dürfte, soweit man aus den Parallelszenen ersehen kann, bereits tot sein. Was aber auch nicht so ganz sicher ist, denn die Zeitfrage ist so eine Sache…
Um die Liste komplett zu machen, weitere Leitmotive des Films sind Globalisierung, Privatsphäre, Reizüberflutung durch Medien, Entfremdung, der Blick auf die amerikanische Gesellschaft durch die Augen eines Außenseiters, Sehnsucht und Isolation, aber irgendwo auf der Strecke hat mein Hirn abgeschaltet.
The Man Who Fell To Earth ist sicher einer dieser Filme, die man mehrmals sehen muß, um sie wirklich zu verstehen; weiß nur nicht, ob ich mir diesen Marathon von 133 Minuten noch mal antun möchte… Bevor ich jetzt allerdings zu negativ klinge: Er hat mir durchaus gefallen! Die Stimmung, die aufgebaut wird, die ruhige Gangart, auch die intellektuelle Herausforderung und bitteschön nicht zuletzt David Bowie, der, wie Co-Star Candy Clark (die ihn locker an die Wand spielt) sagt, zu dem Zeitpunkt “at the height of his beauty“ war – das alles war das Anschauen absolut wert.
Ein paar augenzwinkernde Momente bot der Film übrigens auch, und ich meine damit nicht die unglaublich trashigen Trailer im typischen 70er-Jahre-Stil. Wer genau hinschaut, sieht zum Ende hin, als der ergraute Bryce Weihnachtsgeschenke kaufen geht, in der Musikabteilung Plakate von Young Americans, Bowies damals aktuellem Album. Noch viel komischer ist selbstverständlich die Tatsache, daß Newton selbst ein Album veröffentlicht hat und von dem Bryce sagt, daß es ihm nicht besonders gefallen hätte. Der Außerirdische wird beinahe doch noch zum Rockstar. Richtiggehend lachen musste ich aber bei Mary-Lous betrunkener Frage, was Newton unter Alkoholeinfluß sähe. „Bodies.“ – „Oooh! Women?“ – „Yes, and men.“ – „*kreisch* Men? Men?! *kicher* You bad boy!“ Das war so böse, daß es oscarreif war!² :-D
Außerdem winken tausend Zaunpfähle sowohl bei der Szene im japanischen Restaurant inklusive Kabuki-Darstellern als auch bei der japanischen Einrichtung von Newtons Haus in Richtung Kansai Yamamoto, der Hauptinspiration für Ziggy Stardusts Look, und generell Bowies Faszination für die japanische Kultur.
Für seine zahlreichen, expliziten Sexszenen hat The Man Who Fell To Earth übrigens die rote 18 erhalten, oder wie wir Piraten sagen: Rated Arrr!
² ”I love girls. They’re smashin’. They’re as good as blokes.” (Bowie, 1972)
“The Lou ‘kiss’ picture, of course, is merely a lean-in to yell something above the volume produced by the DJ.” (Bowie, 2002) Schon klar.
P.S.: Muttern neulich: „Bowie… kenne ich nicht.“ (Ich fühlte mich stark an die Szene aus Wir Kinder vom Bahnhof Zoo erinnert: „David Bowie kommt nach Berlin.“ – „Wer?“)
M: Ich meine, natürlich sagt er mir was, aber… Ist das nicht so ein Dunkelhaariger?
C: … *ächz*…
M: Ach nein, das verwechsele ich jetzt mit einem anderen. Ich dachte, er wäre ein Schauspieler!
*So* ein breites Grinsen hatte ich auf dem Gesicht; derart ahnungslos war ich immerhin nie. Trotzdem entbehrte die Situation nicht einer gewissen Komik. Seit 36 Jahren Superstar, und immer noch lautet die Frage: „David wer?“ Berühmtheit wird eben doch überschätzt. Wundere mich jetzt nur, wie Muttern an ihre Infos kommt – seine Filme hat sie garantiert nicht gesehen.
P.P.S.: Berühmtheit wird überschätzt, und sie nützt einem persönlich nur was, solange man noch lebt. Bowie, ausnahmslos allen Augenzeugen zufolge ein hochintelligenter Mann, weiß das, wie seine Website klar beweist. Als hundsgemeiner Besucher kann man mit dem Ding so gut wie nichts anfangen. Alle informativen Bereiche, die meines Erachtens zu jeder Standardseite dazugehören, sind nur für Mitglieder zugänglich – für schlappe 64,99 Dollar im Jahr. Ich mache eindeutig was falsch in meinem Leben.
Dienstag, 17. Juni 2008
“Schnaps!”, das war sein letztes Wort…
Warum bloß habe ich noch keine Feenkönige oder Dschinnen gesehen? Anscheinend muß ich meinen Absinth-Konsum erhöhen…
Donnerstag, 12. Juni 2008
Ich gebe auf
Zum Abschluß, weil ich den Song mag und er gut zum Film passt (auch wenn das Fanvideo eher Curt als „Schurken“ darstellt statt – mehr der Wahrheit entsprechend – Brian):
Montag, 9. Juni 2008
Happy birthday, Johnny Depp!
Freitag, 6. Juni 2008
Weil ich gefragt wurde...
Hm, vielleicht sollte ich diese Liste meinem schwer nervenden Kollegen empfehlen, nachdem das Gespräch gestern auf Filmgeschmack kam (und auf das beliebte Spielchen "Wir könnten doch mal zusammen..." - "Ach, weißt du..."). Das könnte sein Dauerbaggern eventuell endlich mal beenden. ;-)
Donnerstag, 5. Juni 2008
Ich bin verwirrt
Hm. Sehe ich zu, daß ich an die VHS komme oder nehme ich es so hin? Mein innerer Detektiv ist ja nun geweckt.
Nebenbei: Auch Velvet Goldmine ist einer dieser Filme, die für die Großleinwand geschaffen sind, wie ich Dienstag festgestellt habe. Was für eine Bilderwucht!
Weil's so schön ist:
Tumbling Down
Montag, 2. Juni 2008
I shot Andy Warhol
Ich weiß schon, warum mir Radikalinskis suspekt sind.
Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt I Shot Andy Warhol die Hintergründe des Attentats auf Warhol und Mario Amaya nahezu ausschließlich aus der Sicht von Valerie Solanas, was dem Film eindeutig zum Vorteil gereicht. Die Verlockung, mehr über den introvertierten Künstler einzubringen, muß doch recht groß gewesen sein, aber Lili Taylor trägt den Film mit ihrer Darstellung der fanatischen und mehr und mehr von einer fixen Idee besessenen Valerie. Keine leichte Kost, aber lohnenswert.
Sonntag, 1. Juni 2008
Velvet Goldmine
Einige Wochen später enttarnt die Presse das Attentat als inszeniert. Die Fans sind empört, mit Slades Karriere ist es vorbei, und er verschwindet spurlos.
Zehn Jahre später lebt Stuart als Zeitungsreporter in den USA und erhält den Auftrag, zum Jahrestag des „Attentats“ herauszufinden, was aus Slade geworden ist. Er sucht alte Bekannte des Sängers auf, so seinen ersten Produzenten und seine geschiedene Frau. Ihre Erinnerungen an Slade werden auch für Stuart eine Reise in die Vergangenheit, doch je näher er der Lösung des Rätsels um den Verbleib des Stars kommt, desto deutlicher erkennt er, dass diese Zeit unwiederbringlich vorüber ist. Desillusioniert begegnet er schließlich Slades Ex-Lover Wild, mit dem auch Stuart einiges verbindet…
Große Mühe mit Verschleierungen haben sich die Macher des Films nicht gegeben, und das war auch nicht Sinn der Übung. Velvet Goldmine ist weniger ein Bowie-Biopic als vielmehr eine Bowie-Kritik aus der schwulen Ecke sowie zugleich ein Lobgesang an die Ära des Glamrock. So seltsam uns die Zeit heute vielleicht erscheinen mag, für viele (insbesondere männliche) Homosexuelle war sie tatsächlich eine Art Meilenstein und Bowie eine Art Wegbereiter. Plötzlich wurde ein Mann mit Lippenstift und Lidschatten nicht nur nicht schräg angesehen, sondern gefeiert. (In der Cure-Biographie Never Enough wird dieser Impakt auf eine durchschnittliche britische Highschool sehr schön dargestellt.) Umso schmerzhafter wohl seine 180°-Wendung zum Saubermann in den 80ern – zumindest scheinen die Macher des Films so zu empfinden.
Der bunten, glitzernden, eleganten Zeit der frühen 70er wird die graue, nüchterne, von kaltem Neonlicht beleuchtete Welt der 80er gegenübergestellt. Auf dem Glam-Abschiedskonzert Mitte der 70er, auf dem die Fäden der vier Hauptcharaktere sehr melancholisch zusammenlaufen, ist bereits das Sterben der „Glam-Magie“ deutlich. Überhaupt ist Melancholie, aber auch Hoffnung, das entscheidende Thema des Films. Klar, die Musik ist toll (Rhys Meyers und McGregor singen selbst, und das ausgezeichnet), und die Kostüme sind eine Augenweide, aber was den Zuschauer jenseits dieser schillernden Fassade anrührt, sind eben doch die Charaktere. Da haben wir Slade und Wild, die sich leidenschaftlich lieben, aber vom Ruhm auseinandergetrieben werden und daran zerbrechen; so sehr, dass Slade sein Bühnen-Alter Ego im wahrsten Sinne des Wortes umbringt. Da gibt es Mandy Slade, die erleben muß, wie sich ihr Mann einem anderen zuwendet und inmitten seines Reichtums und seiner Lakaien vor die Hunde geht; auch sie erleidet Schiffbruch. Da folgen wir Stuarts Entwicklung vom verklemmten Jugendlichen zum Groupie, vor dessen Augen alles, was ihm Halt gegeben hat, langsam zerfällt, zum gesichtslosen Reporter, der erst durch die Konfrontation mit seinen Dämonen lernt, dass das Leben weitergeht. Der Film schließt auf einer hoffnungsvollen Note – und das inmitten der wohl deprimierendsten Szenerie, die man sich vorstellen kann…
Spannend fand ich die Rezensionen auf Amazon, die mit meinen Erfahrungen 1:1 übereinstimmten: In jüngeren Jahren zum ersten Mal wegen Ewan McGregor geschaut, für reichlich verwirrend befunden, Jahre später mit etwas mehr Hintergrundwissen erneut angesehen, dank des „Ah!“-Erlebnisses erst richtig zu schätzen gelernt.
In diesem Zusammenhang kann ich übrigens nur noch mal wärmstens Moonage Daydream empfehlen. Natürlich ist manchmal eine gewisse Verleugnung seitens Bowies herauszulesen, aber ich hatte den Eindruck, daß er durchaus liebevoll auf Ziggy und seine Zeit zurückblickt - was angesicht Mick Rocks phantastischer Fotographien aber auch nicht schwer ist. :-)
Samstag, 31. Mai 2008
Muppet Movie / The Great Muppet Caper
Angesehen habe ich mir Muppet Movie und The Great Muppet Caper / Der große Muppet-Krimi, die von namhaften Gastauftritten nur so wimmeln – leider sagte mir der überwiegende Teil der Schauspieler gar nichts, was es wohl hätte tun sollen. Naja, die Filme sind ja nun schon ein paar Jahre alt, und damals sahen alle noch ganz anders aus.
Muppet Movie ist ein Film im Film; die Muppets stellen dar, wie sie sich kennengelernt haben und nach Hollywood gekommen sind. Gespickt mit schrägen Charakteren (z.B. Mel Brooks als eine Mischung aus mad scientist und Nazi-Doktor), noch viel schrägeren Situationen („Turn left when you reach a fork in the road“), dem allgegenwärtigen, nie bösartigen Muppet-Humor und jeder Menge Musik macht der Streifen einfach nur Spaß.
Great Muppet Caper ist eine charmante Parodie auf Detektivfilme. Die Muppets müssen herausfinden, wer hinter dem Diebstahl von Lady Holidays Diamanten steckt, und stolpern dabei von einer verrückten Situation in die nächste – meine Favoriten dabei sind Miss Piggys Okkupation von John Cleeses Haus und ihre mehr oder weniger freundliche Bitte, in Peter Ustinovs Lastwagen mitgenommen zu werden. Von der Peperoni-Pizza und dem Happiness Hotel ganz zu schweigen…


