Wieder da
Gelesen hatte ich damals in den Medien davon, klar, aber auf der Suche nach Lesestoff stolperte ich Dienstag erstmals über Ewan McGregors und Charley Boormans Buch Long Way Round, in dem sie über ihre viermonatige Weltumrundung per Motorrad berichten. Beginnend in London, haben sich die beiden Schauspieler ostwärts quer durch Europa und Asien durch zum Teil unwegigstes Gelände zum Pazifik durchgeschlagen, von dort nach Alaska übergesetzt, Kanada und Teile der USA durchquert, um schließlich triumphal nach London zurückzukehren.
Nun bin ich wahrhaftig kein Biker, aber der Enthusiasmus der beiden wirkte schon ein bisschen ansteckend. Interessanter waren für mich aber eindeutig ihre Begegnungen mit Bikerkollegen aus aller Herren Ländern, lokalen Mafiabossen (oder so was ähnlichem), mehr oder weniger bestechlichen Grenzbeamten und Polizisten, Chelsea-Fans mitten in der tiefsten Ukraine, mongolischen Nomaden, Reportern, russischen Truckern und Straßenkindern. Die mörderische Teilstrecke durch die Mongolei, die die beiden fast erledigt hätte, konnte man dank ihrer lebhaften Schilderung beinahe nachempfinden, ebenso ihr Vergnügen, illegal mit einer Gruppe anderer Schwarzfahrer ein Stück des Weges in einem russischen Güterzug zurückzulegen oder sich bei besonders riskanten Manövern vorzustellen, was ihre Agenten dazu sagen würden. Überhaupt erinnerte mich der leichte, humorvolle, aber anschauliche Erzählstil ein wenig an Hape Kerkelings Ich bin dann mal weg; und obwohl keine Pilgerreise im eigentlichen Sinne, so entwickelte sich das lange, äußere Abenteuer doch insbesondere für Ewan McGregor auch zu einer inneren Reise. Ohne ständige Ablenkungsmöglichkeiten durch unsere modern-hektische Welt, so schreibt er, hatte er keine Gelegenheit, vor unangenehmen Gedanken davonzulaufen und sah sich gezwungen, sie zu konfrontieren.
Tja, da packt einen wieder mal das Fernweh…



