Labyrinth, Teil 1: Setting the stage

Als die opening credits ablaufen, taucht als erste Kreatur des Films die Eule auf, von der wir später erfahren, dass der Koboldkönig oft ihre Gestalt annimmt (Schwanensee lässt grüßen). Als nächtlicher Jäger steht sie oft im Zusammenhang mit der Anderswelt, dem Mystischen, auch mit den Träumen. Mit Einsetzen der Filmhandlung sehen wir die Eule auf einem Steinpfeiler sitzen (und tatsächlich Schwäne auf dem See im Hintergrund schwimmen), während Sarah, als Prinzessin verkleidet, ihren großen Monolog aus dem Theaterstück The Labyrinth vorträgt. Der einsetzende Regen holt sie jedoch schnell in die Realität zurück. Zu Hause warten bereits ihre Eltern auf sie - die schimpfende Stiefmutter und der sich aus allem häuslichen Streit heraushaltende Vater. Eine klassische Märchensituation, zumindest wie Sarah als pubertierendes Mädchen es interpretiert; ihre Ziehmutter beschwert sich dementsprechend auch, dass sie offenbar immer als die böse Stiefmutter betrachtet wird.

In Sarahs Zimmer finden wir bereits alle Elemente, die später im Labyrinth auftauchen: das Prinzessin-Figürchen (Ballszene), eine Sammlung von Teddys mit teilweise ritterlichen Namen, Märchenbücher, Schnipsel aus Jugendmagazinen (mit Fotos von einem gewissen Popstar), ein Poster mit dem Escher-Treppenhaus, natürlich das Buch The Labyrinth und eine Koboldkönig-Figur, dessen Frisur und Kleidung später 1:1 übernommen werden, während die Hörner nur in der Ballszene als Teil von Jareths Maske zu sehen sind.

Wie wohl jeder in ihrem Alter fühlt sich Sarah von ihren Eltern unverstanden und missachtet und lässt ihren Frust an ihrem einjährigen Bruder Toby aus, auf den sie aufpassen muß, während ihre Eltern ausgehen. Tobys auffallender rot-weiß-gestreifter Strampler soll laut Konzeptdesigner Brian Froud übrigens eine Anlehnung an Alices Ringelstrümpfe aus Alice im Wunderland sein. Weil Toby nicht aufhört zu weinen, erzählt ihm Sarah äußerst gehässig das Märchen (evtl. die Handlung von The Labyrinth, evtl. auch nur ausgedacht) von einem Mädchen, dessen böse Stiefmutter es immer auf den kleinen, plärrenden Bruder aufpassen lässt. Was die Mutter jedoch nicht weiß, ist, dass sich der König der Kobolde in das Mädchen verliebt hat und ihr Macht über seine Kobolde verliehen hat. Und obwohl sie lange widersteht, spricht sie, als sie eines Tages zu erschöpft ist, die richtigen Worte, und die Kobolde verschleppen ihren Bruder.

An diesem Punkt setzt die Fantasy-Handlung ein. Eine Gruppe von sich bemüht böse gebenden, aber eigentlich nur unterbelichteten Kobolden hört mit, und als Sarah schließlich genervt aufgibt, Toby zurück ins Bett packt und beim Hinausgehen die richtigen Worte spricht, verschmelzen die reale Welt und Sarahs Phantasien miteinander.

Erste 9+ Minuten des Films

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