How to deconstruct a legend

Yul - The man who would be king, die Biographie Yul Brynners geschrieben von seinem Sohn Rock, ist nun schon ein paar Jahre alt, aber ihrem fast poetischen Stil merkt man das Alter nicht an, und die Fakten bleiben so wahr wie immer. Yul Brynner war ein Schauspieler, den ich bis zur Lektüre dieses Buches sehr gern gesehen habe; nun werde ich wohl nie mehr in der Lage sein, ihn ohne all die hässlichen Fakten seines realen Ichs wahrzunehmen.

Ehrgeizig und egozentrisch bis zum Äußersten, alles dominierend, luxussüchtig, nachtragend und dabei scheinbar ohne jegliche Empathiefähigkeit war Brynner geradezu die Verkörperung des Hollywoodstars des Grauens, während seine durchaus vorhandenen guten Eigenschaften wie Idealismus, Großzügigkeit und Humor mit den Jahren immer mehr unter seinem gewaltigen Ego begraben wurden. Rock Brynner schildert mit bemerkenswerter Offenheit alle positiven wie negativen Seiten seines Vaters sowie sein eigenes Bemühen, aus dessen Schatten zu treten – nur um dafür von ihm geächtet zu werden. Seine Biographie ist dabei zu gleichen Teilen liebevoll wie anklagend, und man merkt deutlich, daß sich Rock während des Prozesses des Schreibens selbst erst nach und nach über seine Gefühle zu einem Mann klar wurde, der seinen Sohn nur als Verlängerung seiner selbst betrachtet hat und nicht wahrhaben wollte, daß dieser Anspruch seinen Sohn fast zugrunde richtete.
Yul Brynner scheint einer dieser Fälle gewesen zu sein, in denen die Rückwirkungen seines Handelns noch im selben Leben mit voller Wucht zurückkommen. Die Beschreibung seiner letzten Jahre als Sklave des Ruhms, für den er einst alles andere opferte, sowie des Geldes, das zu wichtig für ihn wurde, ist eine bittere Lehre. Sein grauenhaftes, einen Monat währendes Sterben an Lungen- und Wirbelsäulenkrebs ohne Erleichterung seiner entsetzlichen Schmerzen durch Morphin, dabei nach einem Schlaganfall gelähmt, gleicht – wie Rock es treffend beschreibt – einer Horrorshow.
Ein Buch, das an die Substanz geht und gleichzeitig wütend und betroffen macht.

In seinem neueren Buch über vier Generationen Brynner, Empire & Odyssey, urteilt Rock übrigens wesentlich milder über seinen Vater. Für Interessierte an der russischen Geschichte eine echte Leseempfehlung!

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