Merchandising

Der Begriff leitet sich von merchandise ab, Kaufprodukt oder Handelsware, und die ing-Form weist deutlich auf die damit verbundene Tätigkeit hin: Das Auf-den-Markt-Schmeißen ebendieser Ware mit dem Ziel, einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Willkommen im Kapitalismus. Merchandising wird heute im großen Stil zu Blockbustern betrieben, aber auch zu Bands und Sportmannschaften. Neben so alltäglichen Sachen wie T-Shirts, Postern, Schlüsselanhängern oder Aufklebern gibt es dabei gerade im Bereich Film einige ausgefallene bis gewagte Kreationen.

Angefangen hat das ganze eigentlich mit Star Wars. George Lucas, ein Mann mit Visionen (und einer guten Geschäftsidee), sicherte sich im Vertrag mit 20th Century Fox alle Rechte am SW-Merchandise. Die Studiobosse hatten damit kein Problem, steckte Merchandising anno 1977 doch bestenfalls in den Kinderschuhen. Aber Lucas verstand es, seine Filme zu vermarkten. Eine bis dahin ungeahnte Flut an Comics und Actionfiguren sowie natürlich T-Shirts & Co. ergoß sich über das kaufwillige Publikum insbesondere jüngerer Jahrgänge. Mit Sicherheit sagen kann ich es nicht, aber damals dürften auch die allerersten novelisations, also Romane auf der Basis von Drehbüchern, entstanden sein. George Lucas, die herstellenden Firmen und die Einzelhändler freuten sich, und die Studios sollten nie wieder so einfach Merchandising-Rechte aus der Hand geben.

Das Merchandising-Land Nr. 1 sind auch heute noch die USA; wer wirklich interessante Produkte sucht, sollte also durchaus mal bei eBay USA schauen. Im Zuge meiner Recherchen zu den von mir vorgestellten Filmen, aber auch aus persönlichem Interesse bin ich über einige schöne, schräge und/oder ungewöhnliche Fundstücke gestolpert, die ich euch hier vorstellen möchte.

Kino-Aushangfotos (=lobby carts) sind immer beliebte Artikel, sehen meist gut aus und machen in jeder Behausung was her. Seit einigen Jahren verstärkt anzutreffen sind Magnete mit Filmmotiven, problemlos in der Druckerei an der Ecke herzustellen und ein Hingucker – es gibt sie zu praktisch jedem Film. Äußerst begehrt: Pressemappen, die vor Kinostart an Journalisten vergeben werden und in der Regel ein Heft mit Infos zum Film und Cast & Crew sowie Fotos enthalten; häufig gehören CDs mit Audioclips aus dem Film oder Interviews dazu. Streng genommen sind auch Soundtracks Teil des Merchandising, und zwar seit den Urzeiten des Tonfilms.

Ich bin ein bekennender NECA-Fan, wenn auch keine Sammlerin. Neben ihren Figuren, die i.d.R. keine Actionfiguren sind, obwohl sie oft fälschlicherweise so bezeichnet werden (sie sind wenig bis nicht beweglich und dienen einfach zum Aufstellen und Bewundern), bringt NECA auch andere Fanartikel heraus. Ein Blick in die Kategorie The Crow zum Beispiel fördert nicht nur eine sprechende Eric-Draven-Figur oder das von mir sehr geschätzte Reflections-Set zutage, sondern Buttons, Bettwäsche, einen Schirm mit dem Motto des Films „It can’t rain all the time“ oder auch ein Brettspiel.

Mein erst letzte Woche durchgeführtes Stöbern in Sachen Labyrinth-Merchandise ergab nicht nur, daß eine feste Fanbasis für diesen inzwischen zwanzig Jahre alten Film existiert, sondern daß die Nachfrage nach entsprechenden Fanartikeln ungebrochen ist – ebenso wie ihre Produktion! Als da wären:
Der Soundtrack. Nein, ich habe ihn mir nicht ausgekoppelt angehört, habe ja schon immer vorgespult, wenn Bowie im Film anfing zu singen. Sorry an den Fanclub.
Das Buch zum Film. Wird im Original zu Höchstpreisen gehandelt. Mit der Übersetzung kommt man billiger weg.
Das Storybook. Meine Überraschung kannte keine Grenzen. Storybooks sind kindergerechte Nacherzählungen der Handlung, also quasi ein Reader’s Digest der Filmromane, illustriert mit Fotos oder – in diesem Fall – Zeichnungen. Das Labyrinth-Storybook dürfte eines der frühesten seiner Gattung sein.
Die NECA-Figur. Geradezu unvermeidlich.
Die Legende lebt! Derzeit in Arbeit befindet sich eine vierteilige Comicserie im Mangaformat, Return to Labyrinth. Teil 1 und Teil 2 sind bereits erschienen, Teil 3 soll im Dezember herauskommen. 13 Jahre nach dem Film hat sich einiges verändert, im Labyrinth und außerhalb. Sarah ist Lehrerin geworden, während ihr Halbbruder Toby mit der Tatsache zu kämpfen hat, daß ihm auf seltsame Weise jeder Wunsch erfüllt wird, was aber nicht heißt, daß damit alles gut ist. Jareth, der sich nie wirklich von seinem gebrochenen Herzen erholt hat, aber stilvoll und raffitückisch wie immer ist, hat seinerseits einen Plan ausgeheckt, der beide Geschwister involviert… Witzige Idee und gute, eindeutig auf die Fans zugeschnittene Handlung. Leider täuschen sie sich meiner Meinung nach in einem zentralen Punkt – daß nämlich der Koboldkönig im Film mehr an Sarah interessiert ist als daran, seinen neuesten Besitz Toby zu behalten. Wofür es eigentlich nicht den leisesten Anhaltspunkt gibt, da Jareth angestrengt damit beschäftigt ist, Sarah vor Ablauf der 13 Stunden von seinem Palast fernzuhalten. Aber wie gesagt: Akzeptiert man diese Logiklücke, macht das Comic viel Spaß. Bin schon gespannt, wie es weitergeht!

Mit dem internationalen Erfolg von Pan's Labyrinth hatten die Produzenten nicht gerechnet, und daher waren verständlicherweise keinerlei Merchandising-Rechte vergeben worden. Kurzfristig aus dem Boden gestampft wurde eine Spieluhr, die in meinen Augen eher billig wirkt; daraus hätte man mehr machen können. Angekündigt wurde auch eine NECA-Serie, die bislang aber nicht realisiert worden ist.

A propos Spieluhr, auf eine solche warten die Fans von Pirates of the Caribbean schon seit Jahren. Warum eine so offensichtliche Idee nicht umgesetzt wurde… Ansonsten gehört Disney zu den größten Lizenzvergebern aller Zeiten, und neben Kinder- und Jugendbüchern aus dem firmeneigenen Verlag ist eine breite Palette an PotC-Merchandise erschienen. Schlüsselnachbildungen, Calypso-Amulette, I love Jack Sparrow-Schweißbänder und Perückenreplika gehören dabei noch zu den normalsten Produkten.

Nicht vergessen darf ich natürlich Panini und Merlin mit ihren beliebten Sammelbildern.

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