Montag, 16. Juni 2008

What’s her name?

Samstag war ja nun leider nicht das idealste Flohmarktwetter, aber gegen Mittag trauten die meisten Verkäufer dann doch dem halbwegs blauen Himmel und holten ihre Ware unter den schützenden Planen hervor. Allerdings hatte sich der Händler, zu dem ich eigentlich wollte, entschieden, gar nicht erst aufzutauchen. Keine Eurithmics-LPs, schluchz! Landete dann bei einem Konkurrenten, der sich auf die 60er und 70er spezialisiert hatte. Der nette polnische Herr gehörte zwar der extrem zu hilfreichen Front an, aber weil er zwischendurch immer mal von anderen Standinhabern abgelenkt wurde, gelang es mir doch, seine Bestände einigermaßen in Ruhe zu durchforsten. Und was sollte mir dabei in die Hände fallen als ausgerechnet die einzige Roxy-Platte in seinem Besitz, und das ausgerechnet ihr grandioses Virginia Plain? Unnötig zu sagen, daß die Single keine fünf Minuten später den Eigentümer wechselte und an diesem Wochenende mehr als einmal bei mir lief...

Ansonsten hatte Muttern einen Traum, in dem ich Rudi Dutschke anschleppte. (Sie musste am nächsten Morgen erst mal Vattern fragen, wer das genau war. Er wußte es natürlich. O-Ton Muttern: „Bist ja doch zu was gut.“) Tiefenpsychologisch würde ich sagen, sie macht sich ein bisschen Sorgen, daß Töchterchens plötzliches Interesse an der Musik seiner Zeit sie auf die schiefe Bahn führen könnte. ;-) Erinnere mich noch, damals, als ich mit Queen anfing…
Erheblich komischer wurde es allerdings, als er meine Bücher zur Hand nehmen wollte. „Da sahst du ihn so an, na ja, wie du das immer so machst, so missbilligend…“ – „Hey!“ – „… und ich meinte: ‚Ja, da ist sie sehr eigen, lassen Sie lieber die Hände davon.’“ Okay, ich mag das bei meinen Lieblingsbüchern nicht, weil in der Regel niemand vorsichtig genug damit umgeht – na und, ist mir das zu verdenken?! Wer einmal erlebt hat, wie ignorante Zeitgenossen auf tollen Hochglanzfotos mit den Finger rumtatschen oder wunderschöne Sonderausgaben mit Schutzumschlägen achtlos ins Regal donnern, wird vielleicht verstehen, daß ich sofort in Alarmstellung gehe, wenn sich jemand meinen kostbaren Besitztümern nähert. Erst recht, wenn dieser Jemand seit dreißig Jahren in seinem Grab liegen sollte.

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