Darf’s ein Kilo mehr sein? Dragonlance, Teil 1
Wie ich DL-Fan wurde, ist schon eine Geschichte für sich. Ein Kumpel schwärmte immer in den höchsten Tönen davon, und als ich mal nichts anderes zu lesen hatte, marschierte ich ins Antiquariat und holte mir das einzige Buch, das sie da hatten – wie sich herausstellte, ein Teil von Dragons of Winter Night, das in der Übersetzung in die berüchtigte Goldmann-Romanschnetzelmaschine geraten war = aus einem englischen Roman mach drei deutsche. Trotz der reichlich klischeehaften Darstellung einiger Charaktere sagte es mir zu (ja, auch ich liebte Raistlin auf Anhieb), also war ich am nächsten Tag wieder im Antiquariat, um zu erfragen, ob vielleicht auch englische Romane auf Lager wären. Tja, und das war der Punkt, wo der Antiquar im Keller verschwand und mit der kompletten Chronicles-, Legends- und Anthologiensammlung zurückkehrte…
Chronicles hat mir wunderbare Stunden beschert; am Ende von Dragons of Spring Dawning heulte ich Rotz und Wasser. Dagegen kamen Legends als Kaltwasserguß. Vom Stil her ist die zweite Trilogie erheblich besser als Chronicles, und einige der besten Szenen der gesamten DL-Reihe sind darin zu finden, aber mir fielen sofort hunderttausend Widersprüche zu Chronicles auf, diese bekloppte Klerikerin und Dalamar gingen mir einfach nur auf die Nerven (was hoffte ich, daß sie ins Gras beißen würden!), die halbgare Liebesgeschichte kam mir extrem konstruiert vor, über die Kriegshandlung in der Gegenwart breiten wir lieber den Mantel des Schweigens, und Lord Soth… lassen wir das.
Trotzdem war ich angefixt. Die Anthologien nahm man mit; das übliche Mischmasch aus guten bis grauenhaft schlechten Geschichten. Alle übrigen frühen DL-Sachen waren fällig, überzeugten aber nicht. Einzige Ausnahmen: Brothers Majere, einer der wenigen nicht vom Dream Team Weis/Hickman geschriebenen Romane, in der die Darstellung der Zwillinge bis aufs Haar genau stimmt, und The Legend of Huma (leider zu kurz und zuviel Kaz – wie wäre es mit einer Neufassung als Trilogie?).



