Montag, 5. Mai 2008

Volkswagen statt Pferde - Potpourri Mai

Urlaub und ab in die internetlose Wüste! Werde vielleicht bei Vattern mal reinschauen, aber da ich seinen Möglichkeiten der Trojanerabwehr nicht wirklich vertraue, erwartet bitte nicht, dass ich mich einlogge, um was Neues zu posten. Daher das übliche Potpourri zur Überbrückung:

1. „And that was the second time Johnny had to throw up. He had to do this scene six times, and after the sixth take he didn’t come back. He was somewhere in the bushes, throwing up.”
So Regisseur Tim Burton in seinem Audiokommentar zu Edward Scissorhands mit hörbarem Vergnügen. Ansonsten ist der Kommentar zu vernachlässigen. Man erfährt einige interessante und witzige Infos, aber für einen Film dieser Länge erzählt Burton eindeutig viel zu wenig. Dafür ist der Kommentar von Danny Elfman (Komponist) der bislang ungewöhnlichste, der mir untergekommen ist. Die Dialogtonspur wurde komplett weggelassen; stattdessen läuft der Film nur von Elfmans Musik untermalt ab. Spannend! Und Elfmans Anmerkungen zur Musik und zur Zusammenarbeit mit Burton lohnen sich definitiv, auch wenn oft lange Pausen zwischen den Kommentaren liegen.

2. A propos, beide Hellboy-Kommentare (Guillermo del Toro und Mike Mignola / Ron Perlman, Selma Blair, Jeffrey Tambor und Rupert Evans) sind extrem witzig. Letzterer insbesondere, ich habe nicht mal bei Keira Knightley und Jack Davenport auf Pirates 1 so viel gelacht. Ron Perlman ist wirklich ein Comedy-Talent. Wenn er del Toro oder Jerry Lewis imitiert, bleibt kein Auge trocken, und bei der Schilderung seines Joch-Unfalls schrieen sogar seine Co-Stars vor Lachen. („I don’t know who designed that yoke, but if I do: I’m coming for you!“) Und dann war da ja noch die Kußszene…
Ron: So I had to wait 53 years to kiss the girl in the end.
Rupert: How was it, to kiss the red boy?
Selma: Very romantic. But a bit too much tongue.
Ron: On who’s part?!
Selma: Yours! (…) So I say to Guillermo: ‚I think it was too much tongue.’ And he goes: ‚RON!!!’

3. Und a propos O-Ton:
„Ich habe es so gehört, also erzähle ich es so weiter.“ (Ein Kollege über eine Kollegin. Soviel zum Thema Gerüchte und üble Nachrede.)
„An meine kirchliche Trauung erinnere ich mich gar nicht mehr. Ich weiß nur noch, daß ich mich auf die Eisbombe gefreut habe, die es hinterher gab.“ (Meine Mutter, romantisch wie immer)
„Schon von seiner Stimme bekomme ich einen Orgasmus.“ (YouTube-Kommentator/in über Robert Smith)
„He’s a German boy, where did he learn to ride like that?“ (Eli Wallach über Horst Buchholz in Die glorreichen Sieben. Ich liebe Amis und ihre Sicht der Welt.)

4. Die besondere Unterkunft in Neuseeland gefällig? Auf woodlynpark.co.nz findet ihr die Möglichkeit, im ersten Hobbit-Motel der Welt unterzukommen.

5. Was sehen meine Augen - es gibt eine DVD-Version von Neil Gaimans TV-Mehrteiler Neverwhere! Kein Vergleich mit dem Buch natürlich, aber ich fand die Verfilmung schon sehr unterhaltsam.

6. Es wird stürmisch:

Blackmore’s Night: The Storm
Ich weiß, das Video ist nicht der Hit – aber glaubt mir, ich habe noch das am wenigsten schreckliche ausgesucht… ehrlich!

7. Und weil Jan es schon mal ansprach:

Rainbow: Temple of the King
Ich glaube, ich bleibe lieber bei BN. :-)

8. Cover(ed) ist nicht meine Kategorie, immerhin wurde mir bereits aus fachkundigen Kreisen bestätigt, daß ich keine Ahnung von Musik habe. :-) Aber diese beiden Versionen von Walking in Memphis wollte ich mal gegenüberstellen, weil ich Marc Cohns Original sehr schätze und Chers Fassung nicht ausstehen kann. (Und ja, mir ist bekannt, daß auch eine Version von Lonestar existiert.)

Marc Cohn

Cher

Und ein witziges Remix von beiden

Ich wünsche euch schöne zweieinhalb Wochen!

Sonntag, 4. Mai 2008

Labyrinth, Teil 5: Showdown

Auf Jareths Befehl hin hat die Koboldarmee mobil gemacht. Bei der Konfrontation unserer Helden mit einem Kriegsroboter greift Hoggle rettend ein und macht seinen Verrat an Sarah wieder gut. Dank Ludos Fähigkeit, Felsen herbeizurufen, wendet sich die Schlacht schnell zugunsten der vier Freunde. Sie stürmen den Thronraum des Schlosses, doch Jareth und Toby sind verschwunden. Sarah wird klar, dass sie, wie in jeder guten Geschichte, dem Schurken allein gegenübertreten muß. Mit dem Versprechen, sie zu rufen, wenn sie sie braucht, lässt sie Hoggle, Ludo und Sir Didymus zurück und betritt das letzte Hindernis auf ihrem Weg zu Toby: Das Escher-Treppenhaus. In dem verwirrenden Über- und Untereinander von Treppen und Durchgängen verfolgt Sarah ihren Bruder, nur um von Jareth wieder und wieder aufgehalten zu werden. (Sein Kostüm wieder ganz klassisch bösewichtisch: schwarz und rot.) Schließlich sieht Sarah Toby tief unter sich am Rande einer bodenlosen Grube sitzen. Um ihn zu retten, wagt sie den Sprung in die Tiefe, und als sie fällt, zerfällt das Treppenhaus in seine Einzelteile.

Geniales Setdesign!

In den unwirklich im Nichts schwebenden Ruinen seines Reiches tritt ihr der Koboldkönig noch einmal in den Weg. Diesmal trägt er weiß, als der im Grunde machtlose Geist, der er ist. In fast flüsterndem Ton fordert er Sarahs Gehorsam im Gegenzug für seine Liebe, doch dieses Mal zögert sie nicht. Die Worte aus The Labyrinth zitierend, schleudert sie ihm das entscheidende „You have no power over me“ entgegen, gerade als die Uhr dreizehn schlägt. Die Welt löst sich auf, und als Jareth seine fallende Kristallkugel zu fangen versucht, zerplatzt sie - eine simple Seifenblase. Der schwarze Mann oder das Monster unter dem Bett hat nur so lange Macht, bis man ihm mutig entgegentritt.

Schlag Mitternacht wieder zu Hause, findet Sarah ihren Bruder schlafend in seinem Bett vor und drückt ihm ihren Teddy, den er sich früher zu ihrem Ärger „geborgt“ hatte, in den Arm. Anschließend beginnt sie, in ihrem Zimmer alle Spuren ihrer kindischen Phantasie zu beseitigen. Sie ist erwachsen geworden.
Das Ende steht in gewissem Kontrast zum Rest des Films, aber Jim Henson wollte – auch fast schon klassisch – eine Party am Schluß. So sieht Sarah im Spiegel ihre Freunde aus dem Labyrinth und erklärt, dass sie sie immer noch brauche… woraufhin alle Charaktere, denen man im Zuge der Handlung begegnet ist, in ihrem Zimmer eine Feier veranstalten. Nicht ganz stimmig, aber man kann es natürlich so deuten, dass man auch als Erwachsener nicht zwangsläufig phantasielos sein muß. :-)
Von einem Baum vor Sarahs Fenster aus beobachtet die Eule das Geschehen, bevor sie sich in den Nachthimmel aufschwingt.

Gar nicht schlecht für einen Muppetfilm, was? Da kann man direkt noch was lernen… Es bleibt dem Zuschauer überlassen zu entscheiden, ob Sarah die ganze Geschichte nur geträumt hat oder nicht.
Und soviel dann zur Shipper-Logik. Aber a propos, wusstet ihr, daß es auch eine Menge Ofelia/Faun-Shipper gibt…? Wie das funktionieren soll, muß mir erst mal jemand erklären.

Samstag, 3. Mai 2008

Labyrinth, Teil 4: Becoming a woman

Sarahs größte Versuchung, aber auch gleichzeitig der fast größte Schritt auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden, kann symbolträchtiger gar nicht sein: Auf Weisung des Koboldkönigs übergibt Hoggle ihr einen verzauberten Pfirsich – die alte Geschichte vom Apfel, wobei der Pfirsich insbesondere für Sinnlichkeit steht. Als Sarah nach einem Bissen ihre Vergangenheit (=ihre Kindheit) zu vergessen (=hinter sich zu lassen) beginnt und hinter ihren Gefährten im Wald zurückbleibt, schickt ihr Jareth einen weiteren seiner Kristalle als magische Seifenblase, in der sich Sarah auf einem Maskenball wiederfindet. In direkter Imitation des Märchens vom Aschenputtel mischt sich Sarah in üppigen Gewändern unter die erwachsenen Feiernden, ein Mädchen an der Schwelle zur Frau; sie fühlt sich nicht ganz dazugehörig, beobachtet das Geschehen aber fasziniert. Es ist ihre erste Begegnung mit diesem Level an Sinnlichkeit, die durch die Koboldmasken leicht bedrohlich wirkt. Und als sie, ganz im Stile des Märchens, ihrem Prinzen begegnet, muß sie feststellen, daß ihr Erzfeind Jareth ein verdammt attraktiver Mann ist. An diesem Punkt muß sie eine Entscheidung treffen: Bleibt sie und tanzt mit ihm, bis die Stunde schlägt, oder verlässt sie den Ball vor Ablauf der Frist?

Sarah entscheidet sich für letzteres, zerschmettert den Traum und findet sich auf einer Müllhalde wieder. Den angebissenen Pfirsich hält sie noch immer in der Hand, doch nun sieht sie, daß ein Wurm daraus hervorkriecht – eine nicht direkt verbotene, aber verdorbene Frucht sozusagen. Nun bedeutet das ganze nicht, daß Sarah ihre beginnende Sexualität ablehnt. Sie weigert sich lediglich, sich zum Objekt machen zu lassen. Wen oder was Jareth in der Szene verkörpert, liegt im Auge des Betrachters: den Mann, den Erfahrenen, den Erwachsenen, in jedem Fall jemanden, der Sarah überlegen ist. Aber sie ist willensstark genug, sich nicht in die passive Rolle drängen zu lassen.
Jareths Kostüm in dieser Szene drückt seine doppelte Bedeutung aus – schwarz mit gehörnter Maske für den Versucher, Glitzerbesatz für den Märchenprinz.

Die Kobolde, die auf der Müllhalde leben, sind bepackt mit allem möglichen Gerümpel und Meister darin, noch mehr Gerümpel zu finden, das sie sich oder anderen aufdrücken können. Das ist endlich mal ein Symbol, das man nicht so häufig antrifft, die Menschen, die sich und ihre Umgebung mit emotionalem Müll vollstapeln. Die scheinbar nette alte Dame, die der verwirrten Sarah hilft, führt sie in einen unterirdischen Raum, der Sarahs Zimmer nachgebildet ist. Zunächst glaubt sie in der vertrauten Umgebung, sie habe geträumt, doch als ihr ihre Ausgabe von The Labyrinth in die Hände fällt und sie die inhaltsschweren Zeilen liest, die sie zu Beginn des Films rezitiert hat, kommt ihr wieder zu Bewusstsein, was ihre Aufgabe ist. Sie reißt die Wände der Illusion nieder und stürmt mit Ludo und Sir Didymus auf die Koboldstadt zu.

Freitag, 2. Mai 2008

Labyrinth, Teil 3: Choosing the right way

Mit Lippenstift kennzeichnet Sarah auf den Bodenplatten ihren Weg, ohne zu bemerken, dass die Aufräumer des Labyrinths die Platten hinter ihr umdrehen. Schließlich gelangt sie zu zwei Türen, deren doppelköpfige Wächter ihr das alte Rätsel „Ein Weg führt zum Schloß, der andere in den sicheren Tod – einer von uns lügt, der andere sagt die Wahrheit“ stellen. Die Wächter sind dreidimensionale Spielkarten im Kobolddesign, wieder eine Anlehnung an Alice im Wunderland. Sarah löst das Rätsel, nur um hinter der richtigen Tür in einen Schacht voller „helfender Hände“ zu stürzen, die sie unverletzt in einen Kerker gleiten lassen. Dort begegnet sie Hoggle wieder, der sich bereiterklärt, sie gegen Bezahlung in Form von Sarahs Armband so nahe an das Schloß heranzuführen, wie er es riskieren kann. In den engen, viktorianisch anmutenden Gewölbegängen voller sprechender Wände begegnen die beiden jedoch Jareth, der Sarahs Fortschritt in seinen Kristallkugeln verfolgt hat und Hoggle an seinen Gehorsam gegenüber seinem König erinnern zu müssen glaubt. Auf seine spöttische Frage hin, wie ihr sein Labyrinth gefalle, versucht sich Sarah tough zu geben. „Piece of cake“, meint sie zu Hoggles Entsetzen – genau die falsche Antwort. Denn der Koboldkönig beschließt, die Rahmenbedingungen ein bisschen spannender zu gestalten und stellt nicht nur die Uhr um einige Stunden vor, sondern verwandelt einen seiner Kristalle in eine den Gang ausfüllende, mit unerfreulichen Instrumenten besetzte Maschine, die unaufhaltsam vorrückt. In letzter Sekunde gelingt es Sarah und Hoggle zu entkommen.

Jareths Outfit in dieser Szene und in allen Szenen bis zum Ball ist eine wilde Mischung aus verschiedensten Elementen. Kabuki und Rockstar bleiben erhalten, dazu kommt diesmal ein wenig englischer Lord (Ähnlichkeiten zu Wuthering Heights und Jane Eyre sind beabsichtigt), etwas Märchenprinz und eine Prise Ritter. Sein Szepter, das wahlweise als Gehstock oder Prügel dienen kann, sieht übrigens nicht nur zufällig einem Mikrophon ähnlich. ;-)

Durch einen Schacht gelangen Sarah und Hoggle wieder ans Tageslicht, wo sie dem Weisen begegnen (reine Humorszene) und sich Hoggle aus Furcht vor der Verbannung in den Sumpf des ewigen Gestanks absetzt. Sarah befreit das von Kobolden gefolterte Zottelmonster Ludo, das sich ihr daraufhin wie ein treuer Hund anschließt. Wieder gelangt Sarah zu zwei Türen, die diesmal von zwei sprechenden Türklopfern „bewacht“ werden (köstliche Terry-Jones-Szene!). Dahinter befindet sich ein wahrer Märchenwald, der unvermutete Gefahren birgt. Auch der Wald ist ein sehr altes Symbol und steht - übrigens ebenso wie das Haus - für das Innenleben.

Ludo stürzt in eine Fallgrube und verschwindet, Sarah gerät in eine Horde spaßliebender Vogelwesen, deren wilde Party allerdings eine reale Lebensgefahr für Sarah bedeutet. Als sie auf der Flucht an eine unüberwindliche Mauer gelangt, wird sie erneut von Hoggle gerettet. Dieser jedoch fungiert nun, da er bei einer weiteren Begegnung mit dem Koboldkönig nicht in der Lage war, Jareth und sich selbst davon zu überzeugen, dass er Sarah zurück zum Anfang des Labyrinths führen würde und keinerlei Sympathie für sie empfände, widerwillig als Agent des Koboldkönigs. Der Archetyp des Verräters hat die Geschichte betreten.

Als Dank für ihre Rettung gibt Sarah ihm einen Kuß, was sofortige Verbannung in den Sumpf des ewigen Gestanks, die Hölle des Labyrinths, bedeutet.

Im bog of eternal stench treffen sie Ludo wieder und suchen einen Weg nach draußen. Dieser, eine Brücke, wird jedoch von Sir Didymus bewacht, einem ehrenhaften und tapferen kleinen Ritter, der aussieht wie eine Kreuzung aus Fuchs und Terrier. Ludo erweist sich als ebenbürtiger Gegner, und die beiden schließen schnell Freundschaft – aber das Passieren der Brücke gestattet Sir Didymus trotzdem erst, als Sarah die richtige Frage stellt. Nun in Gesellschaft des Ritters und seines Rosses (=Hundes) Ambrosius rücken die Gefährten der Koboldstadt näher.

Brücken stellen, ebenso wie Türen und Schwellen, Übergänge von einem Stadium zum nächsten dar und sind selten unbewacht. Ihren Wächter zu überlisten ist eine klassische Prüfung in Märchen und Sagen.

Einmal Nr. 1 sein...

Schon cool, wenn man bei Google Platz 1 und 2 belegt - so geschehen bei Erdenbann.

Donnerstag, 1. Mai 2008

Labyrinth, Teil 2: Into the Labyrinth

Als Sarah ihren Bruder nicht mehr schreien hört, kehrt sie besorgt in sein Zimmer zurück. Der Strom ist ausgefallen, und überall kann sie, nur aus den Augenwinkeln, Bewegung wahrnehmen. Toby ist verschwunden. Im Licht des draußen tobenden Gewitters flattert die Eule vor dem Fenster herum. Schließlich springt das Fenster auf, und Sarah erhält ihren ersten Blick auf den Koboldkönig.

Jareths Funktion als Symbol ist während des ganzen Films an seiner Kleidung erkennbar. In dieser ersten Szene ist er mit seinen wehenden schwarzen Gewändern eine Mischung aus Dracula, Schwanensees König Rotbart, einem Kabuki-Charakter und natürlich einem Popstar; ganz klar der dämonische, aber unterschwellig auch anziehende Bösewicht. Als Sarah ihren Bruder zurückfordert, bietet er Sarah eine Kristallkugel an, die ihre Träume zeigt (diese Kugeln, die sich in alles mögliche verwandeln können, sind quer durch die Handlung sein Erkennungszeichen); aber, so erklärt er, ein solches Geschenk sei nicht für ein gewöhnliches Mädchen gedacht, das ein schreiendes Baby hütet. Sarah widersteht der Versuchung, und so führt Jareth sie an den Rand des Labyrinthes, in dessen Mitte sich sein Schloß befindet – und Toby. Innerhalb von 13 Stunden muß Sarah dorthin gelangen, oder ihr Bruder ist verloren.

Labyrinthe sind sehr alte Symbole und stehen für den Lebensweg und für Selbstfindung. „Die eigene Mitte finden“ ist heutzutage ein geflügeltes Wort. Allerdings werden oft und gern Labyrinthe und Irrgärten miteinander verwechselt. Zur Unterscheidung: Irrgärten sind die Anlagen, in denen man sich verlaufen kann. Labyrinthe haben nur einen einzigen Weg, der in langen Windungen zur Mitte führt, und dienen der Kontemplation. Jareths Labyrinth, das eigentlich ein Irrgarten ist, ist selbstverständlich eine Widerspiegelung von Sarahs innerem, verworrenem Zustand an der Schwelle zwischen Kind und Frau.

Auch die Queste an sich, ob mit Irrgarten oder ohne, ist von jeher ein Symbol der inneren Reise gewesen, und in ausnahmslos jeder Abenteuergeschichte macht der Held / die Heldin eine Wandlung durch. Nicht umsonst gilt Joseph Campbells The Hero With A Thousand Faces als Pflichtlektüre für Drehbuchschreiber. Auf der Reise muß der Held / die Heldin verschiedene Widrigkeiten überwinden, trifft archetypische Charaktere und kehrt am Ende gereifter in die Gesellschaft zurück – oder, im Falle des Antihelden, scheitert an seinen Schwächen, denn nichts anderes sind die Prüfungen ja.

Sarahs erste Widrigkeit ist, zunächst einmal einen Eingang in das Labyrinth zu finden. Glücklicherweise begegnet sie sofort einem ihrer künftigen Weggefährten, dem grummeligen Kobold Hoggle, dessen Metamorphose im Laufe der Handlung nach der Sarahs am deutlichsten ausgeprägt ist. Zunächst aber ist Hoggle damit beschäftigt, Pestizide gegen herumschwirrende Feen zu versprühen. Erst als Sarah ihm die richtige Frage stellt, ist er bereit, das Tor zum Labyrinth zu öffnen, weigert sich aber, ihr irgendeine weitergehende Hilfestellung zu leisten. Irritiert muß Sarah feststellen, dass das Labyrinth aus einem einzigen langen Gang besteht, der kein Ende nimmt. Als sie erschöpft und frustriert gegen eine Wand sinkt, gibt ihr ein leuchtend blauer Wurm den entscheidenden Tipp: Die Öffnungen in den Wänden sind durch clevere optische Täuschungen verborgen. Auf Rat des Wurms hin die rechte Abzweigung nehmend, gelangt Sarah tiefer in den Irrgarten.

Nein, ich sollte wirklich nicht bei YouTube stöbern

Andererseits wäre mir dann diese interessante Dokumentation über die Lee-Familie entgangen.

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Teil 5

Mittwoch, 30. April 2008

Labyrinth, Teil 1: Setting the stage

Als die opening credits ablaufen, taucht als erste Kreatur des Films die Eule auf, von der wir später erfahren, dass der Koboldkönig oft ihre Gestalt annimmt (Schwanensee lässt grüßen). Als nächtlicher Jäger steht sie oft im Zusammenhang mit der Anderswelt, dem Mystischen, auch mit den Träumen. Mit Einsetzen der Filmhandlung sehen wir die Eule auf einem Steinpfeiler sitzen (und tatsächlich Schwäne auf dem See im Hintergrund schwimmen), während Sarah, als Prinzessin verkleidet, ihren großen Monolog aus dem Theaterstück The Labyrinth vorträgt. Der einsetzende Regen holt sie jedoch schnell in die Realität zurück. Zu Hause warten bereits ihre Eltern auf sie - die schimpfende Stiefmutter und der sich aus allem häuslichen Streit heraushaltende Vater. Eine klassische Märchensituation, zumindest wie Sarah als pubertierendes Mädchen es interpretiert; ihre Ziehmutter beschwert sich dementsprechend auch, dass sie offenbar immer als die böse Stiefmutter betrachtet wird.

In Sarahs Zimmer finden wir bereits alle Elemente, die später im Labyrinth auftauchen: das Prinzessin-Figürchen (Ballszene), eine Sammlung von Teddys mit teilweise ritterlichen Namen, Märchenbücher, Schnipsel aus Jugendmagazinen (mit Fotos von einem gewissen Popstar), ein Poster mit dem Escher-Treppenhaus, natürlich das Buch The Labyrinth und eine Koboldkönig-Figur, dessen Frisur und Kleidung später 1:1 übernommen werden, während die Hörner nur in der Ballszene als Teil von Jareths Maske zu sehen sind.

Wie wohl jeder in ihrem Alter fühlt sich Sarah von ihren Eltern unverstanden und missachtet und lässt ihren Frust an ihrem einjährigen Bruder Toby aus, auf den sie aufpassen muß, während ihre Eltern ausgehen. Tobys auffallender rot-weiß-gestreifter Strampler soll laut Konzeptdesigner Brian Froud übrigens eine Anlehnung an Alices Ringelstrümpfe aus Alice im Wunderland sein. Weil Toby nicht aufhört zu weinen, erzählt ihm Sarah äußerst gehässig das Märchen (evtl. die Handlung von The Labyrinth, evtl. auch nur ausgedacht) von einem Mädchen, dessen böse Stiefmutter es immer auf den kleinen, plärrenden Bruder aufpassen lässt. Was die Mutter jedoch nicht weiß, ist, dass sich der König der Kobolde in das Mädchen verliebt hat und ihr Macht über seine Kobolde verliehen hat. Und obwohl sie lange widersteht, spricht sie, als sie eines Tages zu erschöpft ist, die richtigen Worte, und die Kobolde verschleppen ihren Bruder.

An diesem Punkt setzt die Fantasy-Handlung ein. Eine Gruppe von sich bemüht böse gebenden, aber eigentlich nur unterbelichteten Kobolden hört mit, und als Sarah schließlich genervt aufgibt, Toby zurück ins Bett packt und beim Hinausgehen die richtigen Worte spricht, verschmelzen die reale Welt und Sarahs Phantasien miteinander.

Erste 9+ Minuten des Films

Ich sollte es besser wissen

Graah – sagte ich nicht, ich sollte es lassen? Sagte ich nicht, einmal recherchieren bedeutet die zehnfache Menge an neuen Ideen? Damn!
Irgendwo da draußen gibt es eine Publikumsgruppe, weiblich, ca. 13-22 Jahre alt, denen man quasi alles präsentieren kann und sie machen eine Liebesgeschichte draus – die sogenannten Shipper. YouTube ist voll von selbstgebastelten Videos, in denen sie durch geschickt zusammengeschnittene Szenen belegen, dass ihr, aber auch nur ihr Liebespaar zusammengehört. Wenn sie wenigstens ein bisschen Humor dabei besäßen… Naja. Weil ich bei der Suche nach der Escher-Szene aus Labyrinth (ursprünglich fürs Mai-Potpourri gedacht) durch all diese mehr oder weniger schwülstigen Videos stapfen musste und die ganze Zeit dachte: Kinder, sie ist 14 Jahre alt… (oder wie ein Kommentator so treffend meinte: „Yay to pedophilia!“) … und ihr überseht scheinbar angestrengt die wunderschöne Symbolik hinter der ganzen Geschichte, wurde mir klar, dass ich den Film wohl analysieren würde. Was mich ein bisschen ärgerte, weil ich ihn eigentlich gar nicht mal so toll fand. Aber zum Interpretieren ist er ein Traum! Mir soll keiner erzählen, Jim Henson und Terry Jones hätten keinen Tiefgang. Das wird ein langer Artikel, den ich euch deshalb häppchenweise präsentieren werde.
Leseempfehlung: The Sandman: A Game of You von Neil Gaiman. Erzählt quasi die gleiche Geschichte, nur etwas brutaler (und ohne Prinzen).

Oh, übrigens: Sollte es da draußen einen Shipper mit Humor geben, ich würde mich über ein Sarah + Hoggle-Video sehr amüsieren.

Zwei klassische Beispiele, die ich noch am präsentabelsten fand:

Wicked Game (Ich mag den Song, was soll ich sagen...)

Somebody Still Loves You (Das ist fast schon wieder originell! [Aber auch nur fast.])

How to deconstruct a legend

Yul - The man who would be king, die Biographie Yul Brynners geschrieben von seinem Sohn Rock, ist nun schon ein paar Jahre alt, aber ihrem fast poetischen Stil merkt man das Alter nicht an, und die Fakten bleiben so wahr wie immer. Yul Brynner war ein Schauspieler, den ich bis zur Lektüre dieses Buches sehr gern gesehen habe; nun werde ich wohl nie mehr in der Lage sein, ihn ohne all die hässlichen Fakten seines realen Ichs wahrzunehmen.

Ehrgeizig und egozentrisch bis zum Äußersten, alles dominierend, luxussüchtig, nachtragend und dabei scheinbar ohne jegliche Empathiefähigkeit war Brynner geradezu die Verkörperung des Hollywoodstars des Grauens, während seine durchaus vorhandenen guten Eigenschaften wie Idealismus, Großzügigkeit und Humor mit den Jahren immer mehr unter seinem gewaltigen Ego begraben wurden. Rock Brynner schildert mit bemerkenswerter Offenheit alle positiven wie negativen Seiten seines Vaters sowie sein eigenes Bemühen, aus dessen Schatten zu treten – nur um dafür von ihm geächtet zu werden. Seine Biographie ist dabei zu gleichen Teilen liebevoll wie anklagend, und man merkt deutlich, daß sich Rock während des Prozesses des Schreibens selbst erst nach und nach über seine Gefühle zu einem Mann klar wurde, der seinen Sohn nur als Verlängerung seiner selbst betrachtet hat und nicht wahrhaben wollte, daß dieser Anspruch seinen Sohn fast zugrunde richtete.
Yul Brynner scheint einer dieser Fälle gewesen zu sein, in denen die Rückwirkungen seines Handelns noch im selben Leben mit voller Wucht zurückkommen. Die Beschreibung seiner letzten Jahre als Sklave des Ruhms, für den er einst alles andere opferte, sowie des Geldes, das zu wichtig für ihn wurde, ist eine bittere Lehre. Sein grauenhaftes, einen Monat währendes Sterben an Lungen- und Wirbelsäulenkrebs ohne Erleichterung seiner entsetzlichen Schmerzen durch Morphin, dabei nach einem Schlaganfall gelähmt, gleicht – wie Rock es treffend beschreibt – einer Horrorshow.
Ein Buch, das an die Substanz geht und gleichzeitig wütend und betroffen macht.

In seinem neueren Buch über vier Generationen Brynner, Empire & Odyssey, urteilt Rock übrigens wesentlich milder über seinen Vater. Für Interessierte an der russischen Geschichte eine echte Leseempfehlung!

Dienstag, 29. April 2008

Was will mir der Teaser sagen?

Sieht ja irgendwie interessant aus, aber schlau werde ich daraus nicht. Teaser zum in Produktion befindlichen Indi-Film Hameln.

Montag, 28. April 2008

Merchandising

Der Begriff leitet sich von merchandise ab, Kaufprodukt oder Handelsware, und die ing-Form weist deutlich auf die damit verbundene Tätigkeit hin: Das Auf-den-Markt-Schmeißen ebendieser Ware mit dem Ziel, einen möglichst hohen Profit zu erzielen. Willkommen im Kapitalismus. Merchandising wird heute im großen Stil zu Blockbustern betrieben, aber auch zu Bands und Sportmannschaften. Neben so alltäglichen Sachen wie T-Shirts, Postern, Schlüsselanhängern oder Aufklebern gibt es dabei gerade im Bereich Film einige ausgefallene bis gewagte Kreationen.

Angefangen hat das ganze eigentlich mit Star Wars. George Lucas, ein Mann mit Visionen (und einer guten Geschäftsidee), sicherte sich im Vertrag mit 20th Century Fox alle Rechte am SW-Merchandise. Die Studiobosse hatten damit kein Problem, steckte Merchandising anno 1977 doch bestenfalls in den Kinderschuhen. Aber Lucas verstand es, seine Filme zu vermarkten. Eine bis dahin ungeahnte Flut an Comics und Actionfiguren sowie natürlich T-Shirts & Co. ergoß sich über das kaufwillige Publikum insbesondere jüngerer Jahrgänge. Mit Sicherheit sagen kann ich es nicht, aber damals dürften auch die allerersten novelisations, also Romane auf der Basis von Drehbüchern, entstanden sein. George Lucas, die herstellenden Firmen und die Einzelhändler freuten sich, und die Studios sollten nie wieder so einfach Merchandising-Rechte aus der Hand geben.

Das Merchandising-Land Nr. 1 sind auch heute noch die USA; wer wirklich interessante Produkte sucht, sollte also durchaus mal bei eBay USA schauen. Im Zuge meiner Recherchen zu den von mir vorgestellten Filmen, aber auch aus persönlichem Interesse bin ich über einige schöne, schräge und/oder ungewöhnliche Fundstücke gestolpert, die ich euch hier vorstellen möchte.

Kino-Aushangfotos (=lobby carts) sind immer beliebte Artikel, sehen meist gut aus und machen in jeder Behausung was her. Seit einigen Jahren verstärkt anzutreffen sind Magnete mit Filmmotiven, problemlos in der Druckerei an der Ecke herzustellen und ein Hingucker – es gibt sie zu praktisch jedem Film. Äußerst begehrt: Pressemappen, die vor Kinostart an Journalisten vergeben werden und in der Regel ein Heft mit Infos zum Film und Cast & Crew sowie Fotos enthalten; häufig gehören CDs mit Audioclips aus dem Film oder Interviews dazu. Streng genommen sind auch Soundtracks Teil des Merchandising, und zwar seit den Urzeiten des Tonfilms.

Ich bin ein bekennender NECA-Fan, wenn auch keine Sammlerin. Neben ihren Figuren, die i.d.R. keine Actionfiguren sind, obwohl sie oft fälschlicherweise so bezeichnet werden (sie sind wenig bis nicht beweglich und dienen einfach zum Aufstellen und Bewundern), bringt NECA auch andere Fanartikel heraus. Ein Blick in die Kategorie The Crow zum Beispiel fördert nicht nur eine sprechende Eric-Draven-Figur oder das von mir sehr geschätzte Reflections-Set zutage, sondern Buttons, Bettwäsche, einen Schirm mit dem Motto des Films „It can’t rain all the time“ oder auch ein Brettspiel.

Mein erst letzte Woche durchgeführtes Stöbern in Sachen Labyrinth-Merchandise ergab nicht nur, daß eine feste Fanbasis für diesen inzwischen zwanzig Jahre alten Film existiert, sondern daß die Nachfrage nach entsprechenden Fanartikeln ungebrochen ist – ebenso wie ihre Produktion! Als da wären:
Der Soundtrack. Nein, ich habe ihn mir nicht ausgekoppelt angehört, habe ja schon immer vorgespult, wenn Bowie im Film anfing zu singen. Sorry an den Fanclub.
Das Buch zum Film. Wird im Original zu Höchstpreisen gehandelt. Mit der Übersetzung kommt man billiger weg.
Das Storybook. Meine Überraschung kannte keine Grenzen. Storybooks sind kindergerechte Nacherzählungen der Handlung, also quasi ein Reader’s Digest der Filmromane, illustriert mit Fotos oder – in diesem Fall – Zeichnungen. Das Labyrinth-Storybook dürfte eines der frühesten seiner Gattung sein.
Die NECA-Figur. Geradezu unvermeidlich.
Die Legende lebt! Derzeit in Arbeit befindet sich eine vierteilige Comicserie im Mangaformat, Return to Labyrinth. Teil 1 und Teil 2 sind bereits erschienen, Teil 3 soll im Dezember herauskommen. 13 Jahre nach dem Film hat sich einiges verändert, im Labyrinth und außerhalb. Sarah ist Lehrerin geworden, während ihr Halbbruder Toby mit der Tatsache zu kämpfen hat, daß ihm auf seltsame Weise jeder Wunsch erfüllt wird, was aber nicht heißt, daß damit alles gut ist. Jareth, der sich nie wirklich von seinem gebrochenen Herzen erholt hat, aber stilvoll und raffitückisch wie immer ist, hat seinerseits einen Plan ausgeheckt, der beide Geschwister involviert… Witzige Idee und gute, eindeutig auf die Fans zugeschnittene Handlung. Leider täuschen sie sich meiner Meinung nach in einem zentralen Punkt – daß nämlich der Koboldkönig im Film mehr an Sarah interessiert ist als daran, seinen neuesten Besitz Toby zu behalten. Wofür es eigentlich nicht den leisesten Anhaltspunkt gibt, da Jareth angestrengt damit beschäftigt ist, Sarah vor Ablauf der 13 Stunden von seinem Palast fernzuhalten. Aber wie gesagt: Akzeptiert man diese Logiklücke, macht das Comic viel Spaß. Bin schon gespannt, wie es weitergeht!

Mit dem internationalen Erfolg von Pan's Labyrinth hatten die Produzenten nicht gerechnet, und daher waren verständlicherweise keinerlei Merchandising-Rechte vergeben worden. Kurzfristig aus dem Boden gestampft wurde eine Spieluhr, die in meinen Augen eher billig wirkt; daraus hätte man mehr machen können. Angekündigt wurde auch eine NECA-Serie, die bislang aber nicht realisiert worden ist.

A propos Spieluhr, auf eine solche warten die Fans von Pirates of the Caribbean schon seit Jahren. Warum eine so offensichtliche Idee nicht umgesetzt wurde… Ansonsten gehört Disney zu den größten Lizenzvergebern aller Zeiten, und neben Kinder- und Jugendbüchern aus dem firmeneigenen Verlag ist eine breite Palette an PotC-Merchandise erschienen. Schlüsselnachbildungen, Calypso-Amulette, I love Jack Sparrow-Schweißbänder und Perückenreplika gehören dabei noch zu den normalsten Produkten.

Nicht vergessen darf ich natürlich Panini und Merlin mit ihren beliebten Sammelbildern.

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Mitteilungen des Käpt'ns

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ClarissaS - 2. Mai, 06:39
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Graah – sagte ich nicht, ich sollte es lassen?...
ClarissaS - 30. Apr, 07:10
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ClarissaS - 30. Apr, 07:05
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ClarissaS - 30. Apr, 06:54
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